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Einzigartige Versuchsanlage für Pferde- und Bodenforschung

Vier Paddock Trails stehen auf einer knapp drei Hektaren grossen Fruchtfolgefläche, die Agroscop als Forschungsterrain vom aktuellen Pächter und dem Kanton Freiburg zur Verfügung gestellt wurden. Darauf leben zwanzig Pferde, aufgeteilt in vier Gruppen. Sie liefern während vier Jahren wertvolle Studienergebnisse, einerseits für die Pferdehaltung, andererseits für die Bodenforschung in der Landwirtschaft.




Agroscope lud zur Flurbegehung der Versuchsanlage in St. Aubin ein. Rund vierzig Besucherinnen und Besucher aus der Forschung, Politik und der Praxis nutzten die Gelegenheit, Einblick in die Pferde- und Bodenforschung zu bekommen. Die Anlage erstreckt sich über rund drei Hektaren Ackerland und wird als Paddock-Trail vom Schweizer Nationalgestüt betrieben.

Das Projekt von Agroscope, in Zusammenarbeit mit der ETH, ist wohl einzigartig in der Geschichte der Pferdeforschung. Es ermöglicht gleichzeitig mehrere Studien und Versuche über einen längeren Zeitraum. Die Forschenden untersuchen, wie man moderne Tierhaltungsanlagen betreiben und wertvollen Ackerboden bewahren kann – aktuell beides zentrale Herausforderungen.

Kurzfristige Veränderungen der Bodenqualität unter Paddock Trails

Gibt es einen Unterschied in der Bodenqualität bei unterschiedlichen Bodenbelägen? Die Laufflächen wurden in mehrere Abschnitte eingeteilt und mit unterschiedlichen Bodenbelägen belegt. Über Sonden lassen sich die Bodenverdichtung (Luftdurchlässigkeit, Gasdiffusion) und mikrobielle Aktivität (mikrobielle Biomasse) messen. Über GPS-Daten wird die Belastung auf den Boden gemessen. Das Ziel: Der Vergleich der Bodenqualität unter bedeckten und unbedeckten Paddock Trails im Hinblick auf die Bodenverdichtung und mikrobiellen Aktivität.

Die Pferdehaltung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Viele wünschen für ihr Tier eine möglichst artgerechte Haltung, doch der Flächenanspruch von Pferden ist gross und ihr Platz in der heutigen Landwirtschaft infrage gestellt. Eine Haltung, die den Bedürfnissen von Equiden gerecht wird, in Einklang mit der landwirtschaftlichen Nutzung von wertvollen Ackerböden, ist, dank rückbaubarer Bodenbefestigungen, nach ersten Erkenntnissen möglich.

Erforschung der Gruppenhaltung

Die Versuchsanlage ist eine einmalige Gelegenheit, um die Gruppenhaltung auf Paddock Trails besser zu erforschen. So wird etwa untersucht, wie sich Paddock Trails auf die Bewegungsqualität und -quantität und auf die Hufgesundheit auswirken. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wird der Verlauf nach der Umstellung dokumentiert. Das Bewegungsverhalten mittels EquiMoves und GPS wird genauso gemessen und dokumentiert wie die Sensitivität der Hufsohle, die Huftemperatur, Hufwinkel und Huferkrankungen. Das Ziel: Empfehlungen zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Gesundheit von Pferden in der Gruppenhaltung.

Eine weitere Forschungsfrage ist, wie sich externe Zeitgeber auf Rhytmizität von Pferden auswirken. Hier wird zwischen drei Fütterungsmethoden von Heu unterschieden: Ad libitum als interne Motivation, dreimal täglich Heu für zwei Stunden oder sechsmal täglich Heu für eine Stunde als externe Zeitgeber. Das Ziel bei dieser Studie ist zu evaluieren, ob die Rhytmizität ein geeigneter Tierwohlfaktor für Pferde in Haltungssystemen mit durch Tierhaltende bestimmte Managementzeiten darstellt.

Welche Heufütterung in der Gruppenhaltung

Ein weiteres Forschungsziel ist das Auffinden des besten Kompromisses für die Fütterungsstrategie. Wie wirkt sich die Verfügbarkeit von Futter auf das Wohlbefinden von Pferden in der Gruppenhaltung aus? Studiert werden die Vergabe von traditionellen drei Mahlzeiten von je zwei Stunden pro Tag, portionierte sechs Mahlzeiten von je einer Stunde pro Tag oder Slowfeeding mit Heunetz oder ad libitum. Im Fokus stehen die Auswirkungen auf soziale Interaktionen, Aggressivität, Frustration, aber auch Verletzungen, Liegephasen, Futterverzehr und Gewicht.



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