Foto: Adobe Stock by PROMA
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Das sind einige Themen im Juli WESTERNER

Foto: Horse Feeling Photography
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Rassenporträt

Canadian Horses

Das keine

 

Aktuell gibt es in der Schweiz rund 28 Canadian Horses. Um die Rasse bei uns bekannter zu machen, wurde 2018 der Canadian Horse Verband Schweiz gegründet und mit viel Herzblut werden diese speziellen Pferde aus Kanada ins Rampenlicht gerückt. Gerade für Westernreiter können die Canadian Horses eine gute Wahl sein und es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die leistungsbereiten und menschenbezogenen Tiere zu werfen.

 

 

Ab dem Jahr 1665 kamen vom französischen König Louis XIV Pferde in die französische Kolonie nach Kanada, wo anhand eines strengen Planes weitergezüchtet wurde und der Bestand 100 Jahre später deren 14'000 Canadian Horses aufwies. «1895 wurde die Canadian Horse Breeders Association gegründet. Das Canadian Horse ist die genetisch älteste Rasse Nordamerikas». Der Bestand der reinrassigen Canadian Horses oder French Canadian Horse, wie sie früher genannt wurden, nahm jedoch wieder rapide ab und 1976 waren es gerade noch 400 registrierte Pferde, eine alarmierende Situation. Die Pferde mit ihren historischen Wurzeln in der Provinz Québec in Ostkanada galten als ausserordentliche Pferderasse und erlangten den Status «bedroht», wurden zum «Erbe von Québec» und als Nationalpferd von Kanada erklärt. Dank Einsatz des Zuchtverbandes und der kanadischen Regierung, mit Unterhaltsbeiträgen für die Züchter, konnte die Rasse gerettet werden und die Anzahl der Fohlen stieg wieder an. Aber noch heute wird das Canadian Horse, mit 500 weltweit registrierten Pferden, als eine der meistbedrohten Pferderassen aufgeführt.

 

Aus Kanada in die Schweiz

Bisher gibt es in der Schweiz keine Zucht und alle hier lebenden Tiere stammen aus Kanada. Jedes Canadian Horse ist mit einem Mikrochip versehen, mit welchem sich die Abstammung in der kanadischen Datenbank überprüfen lässt. Sandra Willi-Plüss und Jürg Willi wanderten im Jahr 2002 nach Québec aus, leben in der Region des Sankt-Lorenz-Tals in Ostkanada, also direkt im Ursprungsgebiet der Canadian Horses. Sie bauten eine kleine Zucht auf, haben heute zwei Hengste und mehrere Zuchtstuten. Die Nachzucht verkaufen sie ausschliesslich auf dem europäischen Markt, hauptsächlich in der Schweiz. Unter dem Label «Canadian Dream Horse» organisiert die Züchterfamilie den gesamten Transport der Pferde und bei Tochter Andrea Plüss, welche in Wettingen lebt, können die Pferde besichtigt werden. «Als ich und meine Familie im Jahr 2013 die ersten Pferde in die Schweiz importierten, kannte noch praktisch niemand die Rasse.

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Karin Rohrer

Foto: Andrea Fischer
Foto: Andrea Fischer

Western People

Carmen und Peter Markwalder

Neuanfang
am Fusse des Chasseral

 

Vor 17 Jahren gründete Peter Markwalder die Topspine Saddle & Tack GmbH und führte seither erfolgreich sein Geschäft in Niederbipp. Im Frühling wagten Peter und seine Frau Carmen den Umzug Richtung Westschweiz und eröffneten ihren Westernstore Anfang Mai im bernischen Nods.

 

«Eigentlich war der Umzug auf Januar geplant, doch der Ladenausbau verzögerte sich», erzählt Peter Markwalder, während er uns Kaffee zubereitet. Die Pandemie war am Entscheid, die Zelte in Niederbipp abzubrechen, nicht ganz unbeteiligt. Kurz nachdem Carmen ihr eigenes Geschäft in einem Ladenlokal bezog, kam der Lockdown und sie konnte ihren Store wieder schliessen. Dann kündigte der langjährige Vermieter in Niederbipp das Mietverhältnis wegen Eigenbedarf und die beiden machten sich auf die Suche nach einer geeigneten Location für den Westernstore. Ihnen schwebte die Idee vor in einem Reitbetrieb unterzukommen. Zum einen konnten sie nahe bei ihrer Ziel-Kundschaft sein, zum anderen wären es ideale Rahmenbedingungen, um die unterschiedlichen Geschäftsfelder abzudecken. Nach langer vergeblicher Suche kamen Daniel und Isabelle Sauser, Besitzer der Roping Ranch in Nods, auf sie zu und boten Peter und Carmen an, Daniels bestehende Werkstatt in ein Ladenlokal umzubauen. Und so nahm diese Geschichte ihren Lauf. 

 

Man spricht hier französisch

Während man in Biel die Strasse auf der rechten Seeseite wählt und gemütlich entlang des Bielersees fährt, fällt spätestens nach dem Winzerdorf Twann auf, dass man sich in Richtung der französischen Schweiz begibt. Es gibt verschiedene Wege nach Nods. Wegen einer Strassensperrung empfahl Peter den kleinen Umweg über Neuveville und Le Landeron. Die kurvenreiche Fahrt hinauf nach Nods führt vorbei an schönen Gärten und durch eine üppige Vegetation. Plötzlich öffnet sich die Sicht auf ein breites Hochplateau und den Chasseral, der mit etwas über 1600 Meter über Meer die höchste Erhebung des Berner Juras ist. Rechter Hand kommt sie dann auch bereits, die Roping Ranch und der Topspine Saddle and Tack Shop. «Mein französisch ist nicht das Beste, aber nun habe ich einen Grund es besser zu lernen. Die Menschen hier sind sehr freundlich und hilfsbereit. Auch wenn man ihre Sprache nicht perfekt spricht, nur schon der Versuch sich in französisch zu verständigen, wird sehr geschätzt», erzählt Peter. Zurzeit wohnen die beiden noch mitten in Nods. Doch das wird sich bald ändern, denn sie haben in der Nähe ein Haus mit Pferdestallung gefunden – ein weiterer Traum, der sich erfüllt. 

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Andrea Fischer

Foto: Laura Battiato (Adobe Stock);
Foto: Laura Battiato (Adobe Stock);

Wissen

IENA Academy Seminar

Wohlbefinden des Pferdes beurteilen

 

Wie können Besitzer das Wohlbefinden unserer Pferde beurteilen. Diese Frage stellten sich einige Fachreferent*innen im Rahmen diverser Studien und trugen ihre Erkenntnisse an einem eintägigen Seminar der IENA Academy in Avenches vor. Zudem wurde eine App vorgestellt, welche zum Zweck entwickelt wurde, den Grad des Wohlbefindens eines Pferdes in seinen spezifischen Haltungs- und Trainingsumständen zu ermitteln.

 

 

Das Seminar war gut besucht. Die Tatsache, dass in Französisch und Englisch referiert wurde, hielt auch viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der deutschen Schweiz nicht davon ab nach Avenches zu reisen. Es wurde simultanübersetzt und alle Präsentationen wurden bereits zu Beginn auf einem USB-Stick abgegeben. 

 

Das Interesse am Thema ist gross. Vor dem Hintergrund, dass die Reiterszene in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird, machen sich immer mehr darüber Gedanken, wie es um das Wohlbefinden unserer Equiden denn wirklich steht. Vor- und Nachteile der verschiedenen Haltungsformen und ihre Auswirkungen, positive wie negative, auf das Verhalten gegenüber Artgenossen und uns Menschen, aber auch auf die sportliche Leistungsfähigkeit bis hin zur Frage, dürfen wir Pferde wirklich reiten?

 

Das Wohl der Tiere ist nicht erst seit heute ein Thema, erklärt Fabien Loup, Tierarzt und Mitglied des IENA Academy Lenkungsrats. Bereits im 19. Jahrhundert gab es kantonale Bestimmungen und ein Verbot von Tierquälerei und einen Schutz vor Überanstrengung von Pferden. Seither wurden viele Bestrebungen unternommen den Tierschutz gesetzlich zu regeln, wie etwa im europäischen Übereinkommen zum Schutz von landwirtschaftlichen Tieren oder unser schweizerisches Tierschutzgesetz. Insbesondere Begriffe wie Würde, Respekt und Wohlergehen erhielten Einzug in die Gesetzesartikel und die Tatsache, dass Tiere rechtlich nicht mehr als Sache betrachtet werden, war ein Meilenstein im schweizerischen Tierschutz und stellte ein Umbruch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit dar. 

  

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Andrea Fischer



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