Titelbild: Terri Cage (Adobe Stock )
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Das sind einige Themen im März WESTERNER

Foto: AdobeStock_303535986
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Pflege & Haltung

Fellwechsel

 

Wenn die Haare wieder fliegen – Fellwechsel, ein Kraftakt des Organismus

 

Viele Pferdebesitzer bemerken bereits im Januar die ersten fliegenden Haare – auch wenn die Temperaturen frostig tief sind und das Frühjahr scheinbar in weiter Ferne liegt. Der Fellwechselprozess hat jedoch ganz im Stillen viel früher seinen Anfang genommen.

Bereits um die Wintersonnenwende herum programmieren die Hormone unserer Pferde ihren Stoffwechsel auf den bevorstehenden Fellwechsel. Das dünne Sommerhaar bildet sich in tieferen Hautlagen und beginnt langsam den dicken Winterpelz abzustossen. 

 

Licht gibt beim Ablauf des
Fellwechsels den Takt an

Die Temperaturen spielen beim Fellwechsel des Pferdes eine untergeordnete Rolle und sind eher entscheidend für die Länge und Dichte des Fells. Die dem Gehirn angegliederte Zirbeldrüse ist zuständig für die Produktion des Hormons Melatonin, dessen Ausschüttung einen direkten Zusammenhang mit dem Tageslicht hat. Sobald die Tage also wieder länger werden, beziehungsweise nach der Sommersonnenwende wieder kürzer, gibt die Zirbeldrüse das Signal neues Haar zu produzieren und altes Haar abzustossen. Somit steuert der Melatoninspiegel im Blut unserer Pferde deren Fellwechsel. Die Dauer ist je nach Pferd und Haltungsform unterschiedlich. Im Allgemeinen geht es im Frühling etwas länger bis der gesamte Fellwechsel abgeschlossen ist als im Herbst.

 

Der Fellwechsel – Kraftakt des Organismus 

Der Fellwechsel ist ein energiezehrender Prozess. Stoffwechselbelastete, alte oder kranke Pferde tun sich während dieser Phase besonders schwer. Nicht selten treten im Zusammenhang mit dem Fellwechsel Begleiterscheinungen wie Husten und Müdigkeit auf. Bei diesen Kandidaten ist auf eine optimale Futterversorgung und der Stärkung des Immunsystems zu achten. Die Heufütterung während der Wintermonate geht häufig mit einer ungenügenden Mineral- und Vitalstoffversorgung einher. Sehr hautempfindliche Pferde oder solche, die mit dem Sommerekzem zu kämpfen haben, sollte man besonders gut und frühzeitig auf den Fellwechsel vorbereiten. Eine gesunde Haut und ein intaktes Haarkleid ist für den Pferdeorganismus evident wichtig. Sie schützen das Pferd vor äusseren Einflüssen und sind für die Wärmeregulation und die Immunabwehr da. Die Haut steuert den Wasserhaushalt und bildet Vitamin D, welches Einfluss auf die Knochendichte hat. 

 

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Andrea Fischer

Foto: Karin Rohrer
Foto: Karin Rohrer

Porträt

Zu Besuch bei …

Spirit Stone Ranch in Solothurn – wo die Pferde zur Familie gehören

 

 

Priska und Benno Wyss betreiben am Stadtrand von Solothurn die Spirit Stone Ranch, bei vielen Pferdeleuten noch immer bekannt unter dem Namen Steinerhof. Der Betrieb hat jedoch eine sichtbare Wandlung hinter sich und der neue Stallteil bildet eine spezielle Symbiose mit dem alten Wohnhaus, welches unter Denkmalschutz steht.

 

Wie das Paar zu ihrer Ranch kam, sei eine Aneinanderreihung von Zufällen, denn Priska Däppen, wie sie damals noch hiess, kannte den Steinerhof seit ihrer Kindheit. Aber erst nach diversen Verhandlungen konnte die Reitsportanlage im Jahr 2014 erworben werden: «Shettland-Pony «Caramel» kam hier zur Welt und wir haben ihn als Maskottchen behalten. Er wird heute noch für die Kids in der Reitschule eingesetzt». Die 1977 gebaute Reithalle wurde mit neuem Boden, Bande und erst gerade noch mit neuen Fenstern ausgestattet. Auf dem grossen Aussenplatz geniesst man das Reiten mit Blick auf die Jurakette, idyllisch gelegen und ganz ruhig. Denn ein grosser Pluspunkt der Ranch ist die Lage direkt am Waldrand, welches ein fantastisches Reitgebiet einschliesst, welches sich gleich vor der Stalltüre anbietet. «Unsere Pensionäre wie auch wir, geniessen das vielfältige Reitwege-Netz rund um den Buechibärg», betont Priska Wyss.

 

Stallbau in Eigenregie

Ein grosses gemütliches Reiterstübli bei der Reithalle, vor kurzem mit einer wunderbaren neuen Veranda im Westernstyle ergänzt, lädt zum Verweilen ein, was sehr geschätzt wird. «Auch sonst haben wir hinsichtlich Infrastruktur investiert. So wurde im Juni dieses Jahres der Reitplatz neu gemacht und mit neuem Boden und Zaun auf Reining-Masse ausgeweitet», erzählt Benno Wyss. Er hat praktisch alles selber gemacht, unterstützt wurde er von einem Arbeiter, Priskas Bruder und Vater. Vor ein paar Jahren waren es noch insgesamt 34 Pferdeboxen auf dem Hof, in verschiedenen Grössen und teilweise mit Auslauf versehen. Einige der älteren Boxen wurden aufgelöst und im Frühling 2019 wurde der neue Stallteil eröffnet mit 16 lichtdurchfluteten Auslaufboxen. Geblieben ist die Philosophie, dass alle Pferde täglich rauskommen. Die Schlechtwetter-Ausläufe werden genauso genutzt wie die Winterweiden, was natürlich bei den Pferdebesitzern gut ankommt. So sind aktuell 36 Pferde, davon 11 eigene sowie zwei Mini-Shettys in den Ställen untergebracht und der Rest setzt sich zusammen aus Pensionären und Ausbildungspferden.

 

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Karin Rohrer

Foto: AdobeStock_57979883
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Recht

Der Fall Estermann

«Peitschli» oder Peitsche, «Spörli» oder Sporen  

Wo ist die Grenze zur Tierquälerei?

 

In der letzten Ausgabe haben wir bereits das Thema der Tierquälerei aus der Sicht einer Vernachlässigung behandelt. Kurz nach Redaktionsschluss im Januar 2021 ist vom Luzerner Kantonsgericht das Urteilsdispositiv im Fall Paul Estermann, dem ehemaligen Olympia- und Springreiter, publik gemacht worden. Die Urteilsbegründung steht jedoch noch aus. Das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.

 

Zur Erinnerung: Der Springreiter soll seine zwei Pferde, «Castelfield Eclipse» und «Lord Pepsi», unter anderem mit starken Peitschenhieben malträtiert und diese körperlich und in ihrer Würde verletzt haben, weswegen er 2009 der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei am Bezirksgericht Willisau für schuldig gesprochen wurde. Der ganze Fall kam ins Rollen, als ein ehemaliger Angestellter Anzeige erstattet hat. Dazu lagen zudem Fotos sowie auch einen eindeutigen Tierarztbericht vor. Trotz dieser schwerwiegenden Beweise spielte Herr Estermann sein Handeln herunter. Das Bezirksgericht hat dem Reiter keinen Glauben geschenkt und ihn mit einer bedingten Geldstrafe in Höhe von CHF 16’000.– und einer Busse von CHF 4’000.– bestraft und dazu eine Probezeit von zwei Jahren verhängt. Das bedeutet, falls er sich in diesen zwei Jahren nichts zuschulden kommen lässt, lediglich die Busse von CHF 4000.– fällig werde.  Das Bezirksgericht ging davon aus, dass vielmehr der Nebenschauplatz die grössere Strafe aufweise. Nämlich einerseits die Frage, ob Herr Estermann überhaupt noch eine Lizenz zur Turnierteilnahme einlösen darf und andererseits das Ansehen in der Reitersportszene. 

 

 

Herr Estermann ist kurz nach dem Urteil im November 2019 aus dem Kader ausgetreten. Er hat sodann gegen den Entscheid Berufung beim Kantonsgericht Luzern eingelegt. Mitte Dezember 2020 fand nun die Berufungsverhandlung statt und das Urteilsdispositiv vom 7. Januar 2021 ist seit dem 20. Januar 2021 publik.  

 

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Lara Beaudouin, Rechtsanwältin



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